Jacob Jebsen

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Jacob Jebsen gemalt von Sophus Hansen 1930

Jacob Friedrich Christian Jebsen (* 27. Dezember 1870 in Townsend Port Townsend; † 14. Dezember 1941 in Apenrade; ) war ein Schiffsreeder und Vorsitzender der Knivsberggesellschaft.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Jacob Jebsen wurde im amerikanischen Port Townsend geboren, wo seine Eltern, Kapitän Michael Jebsen sen. und Frau Clara wegen des deutsch-französischen Krieges mit der in Bark "Galathea" eine Zwangspause einlegen mussten. Die Anwesenheit französischer Kreuzer im chinesischen Meer und die Gefahr für ein unter deutscher Flagge segelndes Schiff, aufgebracht zu werden, war zu groß. Anfang 1971 segelte das Schiff nach Valparaíso und von dort nach Hamburg, von wo aus sich die Familie nach Apenrade zurückkehrte. Bedingt durch die Anstellung des Vaters bei der Fa. Alfred Krupp erlebte Jacob Jebsen einen Teil seiner Jugendzeit von 1875 bis 1880 in Vlissingen und Rotterdam. Dann blieb er in Apenrade, bestand 1889 als jüngster seiner Klasse am Flensburger Realgymnasium sein Abitur und studierte in den folgenden Jahren Chemie an der Hochschule Karlsruhe und der Universität Berlin wo er sich sowohl an der Friedrich-Wilhelms-Universität als auch an der Technischen Hochschule immatrikulierte. 1890 war Jebsen gezwungen, das Studium abzubrechen. und entschloss sich, Kaufmann zu werden und bei der befreundeten belgischen Schifffartsfirma Arnaments Deppe in Antwerpen eine kaufmännische Lehre zu absolvieren. Nach der Rückkehr nach Apenrade 1893 erhielt er Prokura für die väterliche Firma. 1894 reiste Jacob Jebsen nach Hongkong, wo die Reederei Jebsen damals 12 Dampfschiffe in der chinesischen Küstenschiffart unterhielt und gründete zusammen mit Heinrich Jessen am 1. März 1895 in Hongkong die Fa. Jebsen & Co. Zusammen entwickelten sie dieses Handelsunternehmen mit großem Erfolg. In der Folgezeit gründete Jebsen & Co Filialen und Tochterfirmen in Tsingtau (Diedrichsen, Jebsen & Co), Chefoo, Hamburg, Hoihow, Shanghai und Wladiwostok, Canton und Tientsin. 1909 erfolgte die Gründung der Firma Jebsen & Jessen in Hamburg. 1913 eröffnete Jebsen & Co die Filiale Nanning. 1913 schloss die Bilanz der Firma mit einem Überschuss von von 420.000 Mark. Der Betrieb hatte nach knapp 20jähriger Arbeit ein Kapital von ca. 5 Millionen Mark für die beiden Firmeninhaber erwirtschaftet. 1907 heiratete Jacob Jebsen Käthe Bock vom Gutshaus Groß Brütz bei Schwerin in Mecklenburg, und reiste mit ihr nachder Heirat für anderthalb Jahre nach Hongkong. Anfang 1909 kehrte das Paar nach Apenrade zurück. 1910 zog die Familie in das Haus "Lensnack", dessen Bau Jacob Jebsen 1906 in Auftrag gegeben hatte, und das nun fertig gestellt war. Der 1. Weltkrieg 1914 bereitete dem Aufbau und der Expansion von Reederei und Handelsunternehmen ein schroffes Ende. Jacob Jebsen, der sich gerade in Hongkong aufhielt, wurde - wie viele andere Deutsche - interniert und 1916 nach Australien überführt. Erst im Juli 1919 konnte er nach Europa zurückkehren und seine Arbeit in Apenrade wieder aufnehmen. Die Schiffe der Reederei wurden enteignet und die Firma in Hongkong und die Niederlassung in Canton zwangsliquidiert. Damit lag die Firma praktisch am Boden. Durch kluge Verhandlungen und gute und tragfähige chinesischer und internationaler Verbindungen gelang den Familien Jebsen und Jessen eine schnelle Reetablierung der ehemaligen Unternehmen. Schon 1919 erfolgte die Wiedereröffnung der Firma Jebsen & Co in Canton, ebenfalls 1919 konnte der Geschäftsbetrieb der Firma Jebsen & Jessen in Hamburg wieder aufgenommen werden. Nach dem Plebiscit 1920 im nördlichen Schleswig war Apenrade dänische geworden und die Reederei Jebsen an ihrem Stammsitz damit eine dänische Firma. 1923 erfolgte die Wiedereröffnung der Firma in Hongkong und 1925 die Rückverlegung der Hauptsitzes der Firma von Canton nach Hongkong. 1926 etablierte sich die Firma Jebsen & Co in Shanghai. Zwischen den beiden Weltkriegen übernahm Jebsen & Co die Vertretung bedeutender europäischer Firmen im China-Geschäft, u.a. von Mercedes-Benz und der dänischen Maersk-Linie. Im Winter 1932/33 reiste Jacob Jebsen zum letzten Mal nach China. Danach übernahm sein ältester Sohn, Michael Jebsen jun. die Geschäfte in Hongkong. Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges mußte Jacob Jebsen noch einmal erleben, dass seine Firmen erneut in "schwere See" gerieten. Nach der Besetzung Dänemarks durch deutsche Truppen am 9. April 1940 wurde er von den Engländern zum "technical enemy" erklärt und die Jebsen-Schiffe durch die Engländer requiriert. Das Ende des Krieges erlebte Jacob Jebsen nicht mehr: er starb 1941.

Nach dem Tod des Vaters Michael Jebsen sen. 1899 hatte Jacob Jebsen den Vorsitz der Knivsberggesellschaft übernommen und für die Fertigstellung des Bismarckturmes auf dem Knivsberg gesorgt. Die Einweihung des Denkmales an diesem Versammlungsort der Deutschen in Nordschleswig erfolgte am 4. Mai 1901. Nach der Volksabstimmung 1920 gehörte Jacob Jebsen zu den engsten Vertrauten von Pastor Johannes Schmidt-Wodder, der politischen Führungspersönlichkeit der nun entstandenen Deutschen Minderheit in Nordschleswig. Neben der Arbeit in der Knivsberggesellschaft engagierte sich Jebsen im Schleswigschen Wählerverein. Er stand an der Spitze der deutschen Arbeit im Kreis Apenrade. Darüber hinaus war er in mehreren überregionalen Ausschüssen und Vorständen tätig, u.a. setzte er sich für die Schaffung einer deutschen Einheitszeitung Nordschleswigsche Zeitung ein, deren Aufsichtsratsvorsitzender er von der Gründung 1929 bis 1931 war. Die Gleichschaltung der Deutschen Minderheit in Nordschleswigs während der nationalsozialistischen Zeit war dem seiner Heimat verbundenen und zugleich universal denkenden Jebsen zutiefst zuwider und er zog sich deshalb aus der öffentlichen Arbeit der Minderheit zurück und gab auch den Vorsitz in der Knivsberggesellschaft an einen Vertrauten, den Rechtsanwalt Sophus Erichsen aus Hadersleben, ab.

Ehrenamtliche Tätigkeiten

  • 1901 bis 1937 Vorsitzender der Knivsberggesellschaft
  • 1929 bis 1931 Aufsichtsratsvorsitzender der Tageszeitung Nordschleswigsche Zeitung

Quellen

Literatur

  • Emma von Hassel: Michael Jebsen. Das Leben des Schiffsreeders Michael Jebsen und die Chronik seiner Vorfahren. Selbstverlag, Apenrade 1953
  • Adolf von Hänisch: Jebsen & Co. Hongkong - China-Handel im Wechsel der Zeiten 1895–1945. Selbstverlag, Apenrade 1970
  • 100 Jahre Knivsbergfest. Sonderbeilage. In: Der Nordschleswiger - Die deutsche Tageszeitung in Dänemark, 49. Jahrgang, Nr. 133 vom 11. Juni 1994
  • Harboe Kardel: Knivsbergfeste-Knivsbergspiele. 1971
  • Nis-Edwin List-Petersen: Jugendhof Knivsberg. Bildungsstätte des Deutschen Jugendverbandes für Nordschleswig. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, 1982
  • Jürgen Ostwald (Hrsg.): Der Knivsberg. 100 Jahre deutsche Versammlungsstätte in Nordschleswig Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens & Co, Heide, 1994

Weblinks

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